Die starken Frauen von Guaduas

Anlässlich des Weltfrauen-tages teilen wir die Geschichte von Marisol Sánchez, einer starken Führungspersönlichkeit aus dem Chocó.

Marisol Sánchez auf ihrer Finca in Guaduas (Foto: Klimabündnis)

In der Gemeinde El Carmen de Atrato, dort wo mit dem namensgebenden Río Atrato einer der wasserreichsten Flüsse Kolumbiens entspringt, gibt es einen kleinen Weiler namens Guaduas. Die Ansiedlung sei “wie eine Gebärmutter, länglich und [von Bergen] umschlossen, zu der wir aus irgendeinem Grund immer wieder zurückkehren wollen", meint eine der wenigen dort lebenden Bewohner-innen. Guaduas, so heißt in Kolumbien auch eine Bambus-Art die in der Region als traditionelles Konstruktionsmaterial Verwendung findet. Sie wächst in der nach ihr benannten Ansiedlung in großer Anzahl, meist an den Ufern von glasklaren Gebirgsbächen, die sich talauswärts in den Atrato Fluss ergießen.

Menschen in Guaduas (Foto: Klimabündnis)

Guaduas ist eine kleine Bauerngemeinschaft, die einst durch die Vieh- und Milchwirtschaft eine wichtige Rolle in der Gemeinde El Carmen de Atrato spielte. In den 1980er Jahren wurde auch sie vom kolumbianischen Bürgerkrieg erfasst, wodurch sich das Leben in diesem abgeschiedenen Tal für immer verändern sollte. Wie in so vielen Orten Kolumbiens begann also auch in Guaduas der bewaffnete Konflikt den Lauf des Schicksals zu bestimmen. Im Jahre 1993 wurde die Revolutionäre Guevaristische Armee (ERG) gegründet, eine kleine Guerillagruppe, die sich aus mehreren Mitgliedern der ansässigen Familien und Dissidenten der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) zusammensetzte. Im Mai 1998 drang die paramilitärische Cacique Nutibara-Front mit dem Einverständnis der nationalen Armee in das schwer zugängliche Tal ein, um die ERG-Guerillas und ihre "Kollaborateure" direkt in ihrem wichtigsten Rückzugsort auszulöschen. Unschuldige Familien wurden zu Opfern der Gewalt, mehrere Zivilisten getötet, Häuser und Felder zerstört sowie Rinder als wichtigste Erwerbsquelle brutal abgeschlachtet. Infolge dieses Massakers kam es zu einer großen Vertreibungswelle, im Zuge derer fast alle ansässigen Familien das Gebiet verließen. Erst 8 Jahre später begann ein langsamer Prozess der Rückkehr.

Marisol Sánchez zeigt einen Wanderroute für sanften Ökotourismus (Foto: Klimabündnis)

Diese Rückkehr war geprägt von der Arbeit und dem Einsatz der Frauen, Mütter, Schwestern und Großmütter der einst vertriebenen Familien. Sie waren es auch, die den Prozess der Wiedereingliederung von Mitglieder der inzwischen demobilisierten ERG-Guerilla maßgeblich erleichterten. Der Wieder-aufbau des sozialen und emotionalen Gefüges, das durch die Macht der Gewehrkugeln und die Gewalt des Krieges vollkommen zerstört wurde, ist das Werk jener Frauen, die ihre Familien sowie die gesamte Gemeinschaft zurück auf den Weg der Versöhnung führten. Eine dieser starken Frauen aus Guaduas ist Marisol Sánchez, Mitglied des lokalen Gemeinschaftsrates sowie Vorsitzende von AGROECOTUR, einer lokalen Vereinigung für Landwirtschaft und gemeinschaftlichen Tourismus. Sie ist stolz auf ihre Wurzeln und auch auf ihre bereits erzielten Erfolge. Mit ihrem stets nach vorne gerichteten Blick sagt sie uns: "Ich träume, dass wir hier für immer leben können, bis wir alt sind und der Tod kommt. Aber möge das Leben hier auch ein sehr würdevolles sein. Mögen alle gut leben. Mögen alle Menschen mit ihrem Lebensstandard glücklich leben". Und aufgrund dieses Traums führt sie heute zusammen mit anderen Frauen ihre Gemeinschaft und ihre Familien durch den Prozess der Heilung von Kriegswunden, des Wiederaufbaus und der Verteidigung ihres Territoriums. Sie engagiert sich auch für die Schaffung alternativer Wirtschaftsformen, die der Arbeit der Frauen am Land und dem Umweltschutz Rechnung tragen und die industriellen Megaprojekten, die an der Ausbeutung dieses Territoriums interessiert sind Parole bieten.

Blick auf Guaduas-Tal (Foto: Klimabündnis)

Deshalb schließen wir uns heute mit dem Klimabündnis für ein weiteres Jahr dem Kampf der Frauen für eine gerechtere und gleichberechtigte Welt an und teilen diese Geschichte. Das Klimabündnis Vorarlberg unterstützt seit 3 Jahren die Organisation AGROECOTUR aus Guaduas in ihren Bemühungen Angebote für gemeinschaftlich organisierten Ökotourismus zu schaffen.


Text von Carolina Osorio Rogelis, Projektassistentin

aus dem Spanischen übersetzt von Daniel Sperl, Koordinator der Partnerschaft Vorarlberg-Chocó


Mehr Infos über die Menschen von Guaduas und ihre Bürgerkriegsschicksale in der spanischsprachigen Chronik “Gente de Guaduas” von Dianne P Rodríguez & Jesús O Durán. Auf Nachfrage erhältlich bei Klimabündnis Vorarlberg.

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