Tretminen und Trauer im Chocó

Das Leben zu bewahren ist seit 30 Jahren ein Grundanliegen unserer Organisation.

Dafür stehen wir in solidarischer Beziehung mit Gemeinschaften im kolumbianischen Chocó, einem der artenreichsten Landstriche der Erde, dessen Ökosysteme auch für das globale Klima wichtig sind. Leider ist es auch eine Region, in der der bewaffnete Konflikt Kolumbiens mit großer Heftigkeit wütet.

Indigene Schule IEEAM

Eine Tragödie nimmt ihren Lauf

Am Sonntag den 28. Februar, informierte uns die Direktorin der Emberá-Schule in Vigia del Fuerte/Bojaya, dass einer ihrer Schüler, ein 13-jähriger indigener Junge der Emberá Eyábida, auf eine Landmine getreten ist. Das Ergebnis? Ein Kind unter furchtbaren Schmerzen muss eine Reise auf sich nehmen, zuerst über den Atrato-Fluss zu einem medizinischen Zentrum und dann mit dem Auto, um spezialisierte medizinische Hilfe zu erhalten. Es sind eine 7- bzw. 9-stündige Reise von seiner indigenen Gemeinde in die kleine Stadt Apartadó, wo es ein Krankenhaus gibt, begleitet von seiner Familie und Vertretern seiner Gemeinschaft.

Plinio, der Junge, wird, wenn er körperlich überlebt, lernen müssen, ohne ein Bein zu leben. Und sicher wird er vom Staat nicht mehr als ein paar Krücken erhalten, um dem Leben, das ihn erwartet, zu begegnen.

Graduierung zum Schulabschluss 2019

Aber warum passiert das?

Plinio lebt mit seiner Gemeinschaft in ihrem angestammten Gebiet. Ein Gebiet, das sie schon vor der kolonisierenden Invasion der Europäer bewohnt haben. Ein dichter Dschungel, der hauptsächlich durch ein Netzwerk von Flüssen verbunden ist, der in strategisch günstiger Lage Südamerika mit Mittel- und Nordamerika verbindet.

Die angestammten Gemeinschaften (Indigene und Afro-Kolumbianer) sind die Hüter dieses Territoriums. Sie verteidigen und schützen es vor den illegalen bewaffneten Gruppen, die die Kontrolle übernehmen wollen. Paramilitärs, Drogenhändler und ELN-Guerillas machen sich das Gebiet streitig, um illegale Goldminen auszubeuten, die die Flüsse mit Zyanid verschmutzen. Zur Gewinnung von Holz für den Verkauf auf den illegalen Tropenholzmärkten. Und natürlich für den Transport von Drogen nach Nordamerika. Dort, in diesem strategisch wichtigen Gebiet, ist der Krieg brutal und die kolumbianische Regierung wenig präsent.

Im Gebiet von Plinios Gemeinde, dem Indigenen-Reservat Rio Murindó, hat die ELN-Guerilla seit Anfang Februar Landminen installiert, um das Eindringen der paramilitärischen Gruppen zu verhindern. Dadurch wurden die indigenen Gemeinden, die von ihrem Ackerbau und Fischfang leben, eingeschlossen. Es wurden Beschwerden bei der nationalen Regierung eingereicht, aber es gab keine Reaktion oder effektive Maßnahmen. Jetzt sehen wir die Ergebnisse.

Schüler am "Friedenspfahl", der 2019 vom Klimabündnis übergeben wurde.

Was wird unternommen?

Indigene und afro-kolumbianische Sozialorganisationen, die örtliche Diözese und Bauernorganisationen haben sich zusammengeschlossen und fordern die Regierung auf, das 2016 unterzeichnete Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla umzusetzen; mit sozialer Gerechtigkeit Präsenz zu zeigen, die Bewohner vor Landminen, Zwangsrekrutierungen, Morden und Bedrohungen sozialer Anführer zu schützen, die jeden Tag mehr werden. Und vor allem, die Friedensgespräche mit der im Land aktiven ELN-Guerilla wieder aufzunehmen.

Diesen Forderungen schlossen sich die Vorarlberger Landesregierung und die Gemeinden des Klimabündnisses mit einem Brief an den Präsidenten von Kolumbien an, der im Jänner 2020 von der österreichischen Botschafterin Marianne Feldmann in Kolumbien überbracht wurde. HIERÜBER WURDE BERICHTET!

Die Antwort des Präsidentenbüros war ein Schreiben, in dem Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur skizziert wurden, sowie Informationen über Pläne und Verträge, um einige Verbesserungen durchzuführen.

Doch heute sehen wir am Fall von Plinio, dass es immer noch nicht einmal ein Krankenhaus gibt, das komplexe Wunden, wie sie der bewaffnete Konflikt in dieser Region hinterlässt, behandeln kann.

Als Vorarlberger Klimabündnis bedauern wir, dass es die ethnischen Gemeinschaften und alle unschuldigen Menschen sind, die unter den Wunden dieses internen Konflikts in Kolumbien leiden.

Lehrer der Indigenen Schule IEEAM am Atrato-Fluss

UNSER MANIFEST

Wir bekräftigen unsere Überzeugung, dass der Schutz vor dem Klimawandel Hand in Hand mit dem Schutz des Lebens der angestammten Gemeinschaften gehen muss. Denn sie sind die wahren Beschützer dieses weltweit einzigartigen Ökosystems.

Wir bringen unsere volle Solidarität mit der Bevölkerung des Chocó und seinen ethnischen und sozialen Organisationen zum Ausdruck. Zugleich halten wir unsere Unterstützung für den Aufbau eines stabilen, dauerhaften und gerechten Friedens für die Männer, Frauen, Kinder und Jugendlichen, die in dieser schönen Region leben aufrecht.


Text von Carolina Osorio Rogelis, Koordinatorin der Partnerschaft Vorarlberg-Chocó

03. März 2021

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